Family Guy

Family GuyWolverine ist heute selbstverständlicher Bestandteil unserer familiären Lebenswelt, also meiner, Hottis und Lottis. Das war nicht immer so. War ich in der zugegebenermaßen etwas holprigen Anfangszeit unserer Jahrhundertromanze noch recht skeptisch bezüglich der Qualitäten und Mitbringsel dieses X-Man, beeindruckten und überzeugten mich schließlich dann doch dessen an Stoizismus grenzende Hartnäckigkeit, sein selbst gezogenes Gemüse sowie nicht zuletzt ein bahnbrechender Familiensinn. Aufmerksamen Beobachterinnen und Beobachtern hätte das bereits in jener grausligen Anbahnungsphase auffallen können, als Wolvi sich am Ende eines Freiluftkonzerts mit maximalem Körpereinsatz die damals 7-jährige, dennoch riesige und schlafschwere Lotti über die Schulter wuchtete und zu meinem Auto bugsierte. Ich jedoch verbuchte diese Heldentat damals lediglich schnöde und hartherzig unter berechnendem Balzverhalten eines bemitleidenswerten Verliebten auf dem Holzweg.

Familienhilfe 24/7

Inzwischen bestreitet der X-Man mit der Lizenz zur Freizeitgestaltung an meiner Seite unerschütterlich Kindergeburtstage in Spaßbädern, Bowlingcentern und Eislaufhallen, Weihnachtsfeste unter Nordmanntannen sowie Zirkusaufführungen und damit einhergehende Krankenhausbesuche. Heimlich organisiert er mit mir Weihnachtsgeschenke für die Kinder und mit denen wiederum welche für mich. Er koordiniert und synchronisiert Freizeitaktivitäten meiner Brut mit denen seiner eigenen Familie, um alles irgendwie unter einen Hut zu bringen, und schafft sich Katzen an, nicht nur, um uns beide zu stolzen und glücklichen Katzeneltern zu machen, sondern auch, um mit diesem Patchwork-Trojaner Hotti und Lotti zu becircen und öfter nach Zenhausen zu locken. Dort überlässt er ihnen ein eigenes Zimmer, das sie nach Belieben mit Selena Gomez und anderen Größen des aktuellen Pophimmels plakatieren dürfen.

Wenn es Hotti oder Lotti wochenends einfällt, sich trotz Wolvis Anwesenheit in mein Bett zu quetschen, klemmt er sich an die Wand unters Fenster. Im Sommer lässt er sich von den zwei Grazien an der wünderschönen Blumen-Beton-Riviera zwischen Sonnenschirmen und Strandmatten im Sand vergraben, und als die beiden den Ferienbus zur Waldheimbespaßung verpassen, chauffiert er sie allen Ernstes mit dem Auto hin, während ich meinem Hobby Erwerbstätigkeit fröne. Er kennt sämtliche Namen der Kinder meiner Freundinnen sowie die Namen von Lottis Freundinnen auswendig (Hotti bringt keine mit nach Hause, ich bin zu peinlich), und als unsere heißgeliebte Horny Tawny in Ermangelung öffentlicher Gelder unsere kleine Lokalredaktion verlassen muss und zum Abschiedsumtrunk lädt, ist es Wolvi, der zu Hause die Brut ins Bett scheucht. (Zudem dekoriert er neuerdings, mutmaßlich um die Hausfrau in mir bei Laune zu halten, meine Küche mit Prilblumen.)

Maggie Thatcher, die Queen und ein Eiswürfel

Sonntags fährt Family Guy Jugendzimmermöbel durch die Gegend, montags ist er fest gebucht für die Schlammschlachten des familiären Abendessens und seine Freitagabende verbringt er mittlerweile eingepfercht zwischen Hotti, Lotti und mir auf unserem viel zu kleinen Küchensofa, um sich den großen Kanon der Kinderfilme zu geben. E.T., Ottos 7 Zwerge und sämtliche Shrek-Filme haben wir schon durch. Wollen wir mal nicht hoffen, dass er wie Shrek in Teil 4 eines Tages einen Vertrag mit Rumpelstilzchen abschließt, in dem er seine verlorene Freiheit gegen den Tag eintauscht, in dem er mich und meine Brut kennenlernte.

Und die Brut? Zeigte Hotti sich anfangs noch einigermaßen skeptisch, weil sie ja kein Problem mit Wolvi an sich, jedoch mit seiner Rolle in unserem royalen Haushalt hätte, siegten bei meiner Teenietusse Nr. 1 in der Zwischenzeit Sympathie und ein gewisser Pragmatismus: Wolvi = entspannte Mutter sowie Wolvi = Urlaub. Lotti dagegen weiß noch nicht so recht. Ihm gegenüber benimmt sie sich wie ein Konglomerat aus Maggie Thatcher, der Queen und einem Eiswürfel. Zwar lässt sie sich bereitwillig von ihm zu Events bei seiner Familie kutschieren, ein proaktives Guten Morgen ihrerseits wäre jedoch schon wieder zu viel verlangt. Immerhin hat sie sich heute dazu herabgelassen, sich nach seinem Gesundheitszustand zu erkundigen, nachdem er gestern krank für sie und ihre Geburtstagsgäste das Taxi gespielt hat.

Und ich? Beende diese Hymne auf meinen Family Guy mit Fantas Jubelruf, als sie vernahm, dass wir die montäglichen Abendessen zu institutionalisieren gedächten: „Hurra – du willst einen Mann an deinem Tisch!!!“

7 Gedanken zu „Family Guy

  1. Pingback: Auf die Pferde! |

  2. @Aschenputtel: Zumindest in der Grünen Hölle Lingendingen sind Biogemüse und Kindertragen offensichtlich ganz weit vorn, wenn es um das Erobern von Prinzessinnen wie Dir und mir geht. Ob die Masche jetzt so für das Frankfurter Gallusviertel taugt, würde ich nicht beschwören.

  3. Und da dachten wir jahrelang, dass der Prinz auf dem weißen Pferd über die weite Schneewiese daher reiten muss…! Total veraltet! Heutzutage bringt man Gemüse und trägt Lottis. Wir haben was gelernt.

  4. @matches: Schön, dass Du uns da abholst, wo wir sind ;). Was sollen Gewerkschaft und Betriebsrat schon sagen? Dass Du sooo viel zurückbekommst natürlich!

  5. Heho – die Lebensweltorientierung (und nicht nur die familiäre) bekommen diese Lingendinger Dipl-Sozen ja schon von frühesten Studi-Tagen an eingetrichtert, quasi Muttermilch also.
    Muffige Pubertiere und die lieben Kleinen Kiga- und Grundschulmonster sind nun mal ihr täglich Brot. An derart gestähltem Stoizismus sollte sich auch Rumpelstilzchen die Zähne ausbeißen (bzw. sich den Haxen beim garstigen Stampfen zerbröseln!).
    Aber Familienhilfe 24/7? Was soll denn nur die Gewerkschaft bzw. der Betriebsrat dazu sagen?

  6. Liebste Tawny, das werde ich ihm natürlich ausrichten, wenn er es hier nicht sowieso schon zur Kenntnis genommen hat. Wie wäre es denn heute mit Mittagessen (trotz Ermangelung öffentlicher Gelder)?

  7. Es war sehr nett, dass er zum Umtrunk die Brut gehütet hat! Sag liebe Grüße und gute Besserung!

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